Einsam und verwirrt wandert Alischa durch die Steppen und Täler. Ihre Beine blutig und jeder Schmerz stechend wie 1000 kleine Splitter sich in Ihre Fusssohlen bohrt. Ihre Ängste treiben sie an auf der Flucht vor ihren Peinigers, dessen Folterungen sie fast um ihr Leben brachte. Eingesperrt über Jahre in ein Verlies, gefoltert wurde. Die Narben noch immer auf ihrem Körper brennen und dieses dürre Wesen sich grad so auf den Füssen halten kann, in einer Oase unter den Schatten der Palmen ausruhte. Ihr Körper geschwächt ist, ihr Gesicht gezeichnet von den Entbehrungen des Essens. Ein schmales graues Gesicht in der Sonne schaut, ihre Wangenknochen vorstehen, die schönen blauen Augen matt sind, die Lippen aufgesprungen, kleine Hautfetzchen an ihnen hängen. Zusammengekauert im Schatten regungslos verharrt und man kaum erkennen kann ,ob sie noch atmetet.
Die Aasgeier flogen kreisend über ihren Leib in der Hoffnung, dass ihr letztes Lebenszeichen aus ihrem Körper weicht. Die Abenddämmerung ihrem geschundenen Körper Kühle bringt und ihre Lebengeister erwachen lässt. Ein Zittern durch ihre Augenlider zuckt, als sie einen warmen Hauch in ihrem Gesicht verspürt. Voller Angst sich zusammen kauert, in ihre Gedanken nur kommt: mein Peiniger hat mich gefunden, ich werde den nächsten Morgen nicht mehr erleben. Ein Beben ihren ganzen Körper vibrieren lässt, als etwas Nasses ihre Wange berüht und einen Duft von schlecht riechendem Fell wahrnimmt. ihre Augen aufschlägt und sich ein stolzer, grosser, weißer Wolf vor ihr aufbäumt.
Seine Zunge sie sanft abschleckt und seine grün-grauen Augen tief in die ihren schaut. Alischa entsetzt und mit weitaufgerissen Augen auf ihn starrt. In ihre Gedanken nur kommt: Bin ich jetzt sein Abendbrot ?, und dann vor Schwäche in Ohnmacht fällt.
Als sie wieder aufwacht, liegt vor ihrem Haupt ein Fisch, und ihre blutigen Füsse sind abgedeckt mit heilenden Blättern, die ihren Füssen wohltuende Kühle bringt. Der Wolf hat ihre Wunden ausgeleckt, eine Masse von Blättern zerkaut und diese auf ihre Wunden gepresst, dass diese heilen. Mit seinem Körper hat er Alischa in der Nacht gewärmt, dass die Kälte der Wüste sie nicht erfrieren lässt.
Zaghaft greift Alischa nach dem Fisch und isst ihn roh. Mehr und mehr kommt sie zu Kräften, und der Wolf weicht nicht von ihrer Seite. Bei Nacht geht er jagen und heilt ihre Wunden mit einer eigenartigen grünen Blättermasse, und bei Tag bewacht er sie, dass kein Feind ihr ein Leid antun kann.
Alischa redet mit ihrem neuen Freund und bedankt sich jeden Tag auf's Neue, dass er so gut zu ihr ist und sie nicht als seine Speise gegessen hatte, Sie winselt leise: Ach wenn Du mir doch antworten könntest.
Tief versunken in den Augen des Wolfes wird ihr eins klar: Ich muss überleben. Dieses Wesen gab mir ein Zeichen und half mir in meiner Not. Ich muss aufsteh'n und weitergeh'n bis zum Ende der Wüste in eine Stadt. Auf ihrem Weg folgte ihr stets der Wolf und behütete sie.
Angekommen an einer Stadt hiess es Abschied nehmen. Der Wolf gab ihr eine Wolfskralle und haute ihr tief ins Gesicht, gab so seine Energie an ihr weiter.
Alischa trägt sie an einer Kette und, mit der Stärke des Wolfes ging sie auf einen neuen Weg. Nach einiger Zeit der Erholung im Krankenhaus zeigte sie ihren Peiniger an und machte anderen Frauen klar, sich zu wehren.
Heute, wenn sie nachts in den Himmel schaut, sieht sie immer noch die grün-grauen Augen des Wolfes und verspürt immer noch den schlechten Geruch des Felles in ihre Nase. Aber sie verdankt diesem Tier ihr Leben.